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Schlecht geschlafen, volle Bürowoche – und der Rücken meldet sich. Zufall? – Titelbild des Blogbeitrags von Heschl Fitness
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Schlecht geschlafen, volle Bürowoche – und der Rücken meldet sich. Zufall?

5 Min Lesezeitvon Christopher Heschl
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Montag: Projektabgabe. Dienstag: um drei in der Früh wach, Kopfkino. Mittwoch: Rücken. Ohne Grund, ohne Verheben, einfach so. Und dann kommt der Gedanke: Was hab ich denn jetzt schon wieder gemacht? Wahrscheinlich gar nichts. Dein Rücken hängt an einem Körper, der schläft, arbeitet und sich Sorgen macht – und das spürt er mit.

Das Nervensystem dreht am Lautstärkeregler

Schmerz entsteht nicht im Rücken allein. Das Nervensystem bewertet die Signale aus dem Gewebe und entscheidet, wie laut sie ankommen. Dafür hat es eine eingebaute Bremse: Vom Gehirn laufen Bahnen ins Rückenmark, die Schmerzsignale dämpfen, bevor sie oben ankommen.

Diese Bremse ist nicht immer gleich stark. Bei Schlafmangel, Stress und Sorgen arbeitet sie schwächer. Bei Zuversicht, Ablenkung und Bewegung stärker. Derselbe Rücken tut nach einer miesen Nacht also tatsächlich mehr weh als nach einer guten. Nicht weil du wehleidig bist, sondern weil der Regler weiter aufgedreht ist.

Wichtig, weil das oft falsch ankommt: „Hat mit dem Nervensystem zu tun“ heißt nicht „ist eingebildet“. Der Schmerz ist echt. Er hat nur mehr als eine Quelle.

Schlaf sagt Schmerz besser voraus als umgekehrt

Lange galt die einfache Version: Wer Schmerzen hat, schläft schlecht. Das stimmt auch. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Pain hat aber zusammengetragen, dass die andere Richtung offenbar stärker ist: Schlechter Schlaf sagt neue und stärker werdende chronische Schmerzen verlässlicher voraus als Schmerz den schlechten Schlaf.

Ein Teil davon stammt aus Beobachtungsdaten, die keine Ursache beweisen. Laborstudien, in denen Menschen gezielt Schlaf entzogen wurde, passen aber ins Bild: Danach sind sie schmerzempfindlicher.

Für dich heißt das: Wenn der Rücken nach einer kurzen Nacht lauter ist, ist das keine Einbildung und kein Rückschritt. Und Schlaf ist nicht die Zeit, in der du nichts für deinen Rücken tust – sondern ein Teil davon.

Stress ist kein Gefühl, sondern ein Körperzustand

Wer gestresst ist, ist nicht nur „im Kopf“ angespannt. Die Stresshormone steigen, die Muskeln spannen sich an, die Aufmerksamkeit richtet sich auf mögliche Gefahren. Der Körper schaltet auf Schutz. Ein Rücken, der eh schon empfindlich ist, steht in diesem Zustand schneller im Mittelpunkt.

Die große Übersicht zum Rückenschmerz im Lancet nennt psychische Belastung deshalb neben wenig Bewegung, Rauchen und Übergewicht als Faktor, der das Risiko über die Jahre erhöht. Keiner dieser Faktoren entscheidet allein, und bei keinem lässt sich sagen, wie viel er im Einzelfall ausmacht. Aber sie gehören zusammen ins Bild.

Bevor das jetzt nach Lebensberatung klingt: Ich bin Trainer. Deinen Job und deinen Chef kann ich nicht ändern. Aber ich kann dir zeigen, wie dein Training mit solchen Wochen umgeht, statt an ihnen zu scheitern.

Der Bürotag selbst: lange Sitzphasen unterbrechen

Eine Studie aus Thailand hat 193 Büroangestellte mit erhöhtem Risiko für Nacken- und Kreuzschmerzen ein halbes Jahr begleitet. Eine Gruppe machte regelmäßig aktive Pausen mit kleinen Übungen, eine andere wechselte regelmäßig die Position, eine dritte machte weiter wie bisher. Neue Kreuzschmerzen bekamen in den beiden Pausengruppen 9 und 7 Prozent – in der Gruppe ohne Pausen 33 Prozent.

Eine Einschränkung muss dazu: Es war eine eher kleine Studie, überwiegend mit Frauen, in einem anderen Arbeitsumfeld als bei uns. Die Richtung passt aber zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation: lange Sitzzeiten unterbrechen, mit Bewegung egal welcher Intensität.

Ganz praktisch für den Büroalltag:

  • Telefonieren im Stehen oder Gehen. Das Gespräch wird dadurch selten länger, eher kürzer.
  • Den Drucker nicht neben den Schreibtisch stellen. Der beste Grund, ab und zu aufzustehen.
  • Zwei-, dreimal am Tag ein paar Minuten bewegen: am Platz gehen, Oberkörper drehen, zur Seite neigen. Nichts halten, nichts dehnen – einfach alles einmal groß bewegen.
  • Nach dem Mittagessen zehn Minuten raus. Tut dem Rücken gut und dem Nachmittagstief auch.

Training an schlechten Tagen: Die Kurzversion zählt

Jetzt der Teil für deine Einheiten daheim. Nach einer schlechten Nacht oder in einer Woche, in der dir alles zu viel ist, hast du drei Möglichkeiten: durchziehen wie geplant, ganz ausfallen lassen – oder die Kurzversion.

Nimm die Kurzversion. Und zähl sie als vollwertiges Training. Weniger Sätze, die leichtere Stufe, an dem Tag nichts steigern. Zwanzig Minuten statt dreißig sind kein fauler Kompromiss, sondern das richtige Training für diesen Tag. Du hältst den Faden, ohne einem Nervensystem, das eh schon laut ist, noch mehr aufzuladen.

Was beim Schlafen selbst hilft, ohne dass ich dir ins Handwerk eines Arztes pfusche: halbwegs regelmäßige Zeiten, Bewegung untertags, und das intensive Training nicht direkt vor dem Schlafengehen. Wer um halb zehn noch auf der Matte schwitzt, liegt um elf oft hellwach da.

Ein fester Termin als Gegengewicht

In stressigen Wochen fällt das Training meistens zuerst. Dabei kann es genau dann etwas, das nichts mit Muskeln zu tun hat: Es ist ein Termin, der vorhersehbar ist. Eine halbe Stunde, in der du für dich etwas tust, während der Rest der Woche anderen gehört. Das ist keine Stresstherapie, aber es ist Struktur in einer unruhigen Woche.

Damit der Termin auch in solchen Wochen hält, hilft ein Plan für den schlechten Fall, bevor er eintritt. Zum Beispiel: „Wenn ich schlecht geschlafen hab, dann mach ich die Kurzversion.“ Oder: „Wenn der Dienstag kippt, dann trainier ich am Mittwoch zur selben Zeit.“ Und dann: Trag es in den Kalender ein. Ich selbst bin wichtig, um für andere funktionieren zu können – das gilt für dich genauso.

Wo meine Rolle endet

Wer über Wochen schlecht schläft, sollte das mit dem Hausarzt besprechen – nicht mit einem Trainingsplan. Dasselbe gilt, wenn aus Stress anhaltende Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit wird. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss, und nichts, was eine Kniebeuge löst. Training kann vieles. Das nicht.

Am 22. November in Olbendorf

Wenn du das lieber einmal gemeinsam ausprobierst: Am Sonntag, 22. November, von 16 bis 18 Uhr gibt es in der Mehrzweckhalle Olbendorf den Rücken-Workshop für Vielsitzer. In der ersten Stunde geht es darum, warum der Rücken wehtut, obwohl meistens nichts kaputt ist. In der zweiten bewegen wir uns gemeinsam auf der Matte – alle starten auf der leichtesten Stufe, niemand muss schwitzen. Termin und Anmeldung findest du unter heschl-fitness.at/events.

Nach einer schlechten Nacht ist die kurze, leichte Einheit kein fauler Kompromiss, sondern das richtige Training für diesen Tag. Hauptsache, der Faden reißt nicht.

Quellen

Portrait von Christopher Heschl, Online-Coach für Vielsitzer aus Olbendorf

Christopher Heschl

Ich bin Softwareentwickler und Coach für Menschen mit sitzendem Bürojob, deren Rücken sich gemeldet hat. Ich zeige dir, wie du daheim trainierst – mit Struktur und Rückmeldung zur Ausführung. Fragen zum Beitrag? Schreib mir. Pläne und Übungsvideos findest du in HF Move.